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MeinungKIKarriereSoftware-EntwicklungTech-Debatte

KI ist nicht allwissend. Aber sie ist billig — und das wird uns teuer zu stehen kommen.

Mouha Bahaji4 Min. Lesezeit

Immer mehr Unternehmen ersetzen Junior-Entwickler durch KI-Tools. Kurzfristig klingt das nach einer cleveren Entscheidung. Langfristig ist es ein Eigentor — denn Senior-Entwickler fallen nicht vom Himmel.

Immer mehr Unternehmen ersetzen Junior-Entwickler durch KI-Tools. Warum jemanden einarbeiten, wenn Tokens schneller und günstiger sind? Kurzfristig klingt das nach einer cleveren Entscheidung. Langfristig ist es ein Eigentor.

0 €
Einarbeitung für ein KI-Tool — der verlockende Teil der Rechnung
5–10 Jahre
bis fehlende Juniors als Senior-Lücke sichtbar werden
100 %
des KI-Outputs braucht jemanden, der ihn beurteilen kann

Senior-Entwickler fallen nicht vom Himmel

Sie entstehen durch Jahre im Code — durch schlechte Pull Requests, durch Bugs um 23 Uhr, durch Projekte, die gescheitert sind und wieder aufgebaut wurden. Durch Mentoring, Feedback, echte Verantwortung. Genau das passiert im Junior-Stadium.

Wenn wir diese Stufe abschaffen, produzieren wir keine Seniors mehr. Wir importieren sie irgendwann — oder wir stehen schlicht ohne da.

Was KI wirklich liefert — und was nur Erfahrung liefert

Das liefert KI
  • Boilerplate und erste Entwürfe in Sekunden
  • Syntax, Patterns und Beispiele aus Trainingsdaten
  • Refactoring-Vorschläge auf Zuruf
Das liefert nur Erfahrung
  • Business-Kontext und die Historie eines Systems
  • Das Nein zur falschen, aber bequemen Lösung
  • Verantwortung für Produktion und ihre Folgen

Und KI? Die halluziniert Bibliotheken, die es nicht gibt. Sie kennt keinen Business-Kontext. Sie versteht nicht, warum ein System vor acht Jahren so gebaut wurde, wie es gebaut wurde. Sie braucht jemanden, der die Ausgabe bewertet, hinterfragt und korrigiert.

halluzination.log
$ ai fix --prod --yolo
> import { fixEverything } from "magic-utils"
$ npm install magic-utils
npm ERR! 404 — existiert nur im Kopf der KI.
# Reviewed by: niemand. Gemerged: Freitag, 17:58.

Das ist die Ironie: Je mehr Junior-Rollen wegfallen, desto weniger Menschen gibt es, die KI-Output sicher beurteilen können.

Die Rechnung kommt in fünf bis zehn Jahren

Deutschland hat bereits heute einen Fachkräftemangel in der IT. Wenn wir jetzt die Pipeline für Nachwuchsentwickler abwürgen, werden wir das in fünf bis zehn Jahren massiv spüren. Dabei wäre der bessere Weg kein Verzicht auf KI — sondern ein anderer Umgang mit ihr:

  • Juniors mit KI einstellen statt durch KI ersetzen — die Lernkurve beschleunigt sich, statt zu verschwinden
  • Code-Review und Mentoring als feste Investition budgetieren, nicht als Kostenstelle behandeln
  • KI-Output grundsätzlich wie einen Pull Request behandeln: lesen, hinterfragen, testen
Tokens ersetzen keine Erfahrung. Sie simulieren sie nur.
Wie siehst du das?

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